Kreistag in Pinneberg beschließt Klimaanpassungskonzept mit 25 Maßnahmen

Kreis Pinneberg beschließt Klimaanpassungskonzept mit 25 Maßnahmen gegen Hitze, Starkregen und Trockenheit – Fokus auf Bevölkerungsschutz und Natur.

Von Redaktion LK Pinneberg3 Min. Lesezeit
Titel-/Deckseite der Pressemitteilung zum Klimaanpassungskonzept des Kreises Pinneberg.

Foto: Kreis Pinneberg

Foto: Kreis Pinneberg

Der Kreis Pinneberg will sich systematischer auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten. Wie die Kreisverwaltung am 24. September mitteilte, hat der Kreistag ein Klimaanpassungskonzept beschlossen. Es umfasst 25 Maßnahmen, mit denen der Kreis auf zunehmende Hitze, Starkregen und Trockenheit reagieren will.

Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit von Menschen, Natur, Infrastruktur und Wirtschaft zu stärken. Nach Angaben des Kreises geht es dabei nicht nur um Umweltfragen, sondern auch um ganz praktische Folgen im Alltag: um Hitzeschutz, den Umgang mit Starkregen, Anforderungen an die Entwässerung, den Schutz natürlicher Lebensräume und um Vorsorge für die Bevölkerung.

Analysen zeigen bereits spürbare Veränderungen

Grundlage des Konzepts sind Analysen, die laut Kreis zeigen, dass sich das Klima vor Ort bereits verändert hat. Demnach ist die Jahresdurchschnittstemperatur im Vergleich der Zeiträume 1971 bis 2000 und 1991 bis 2020 um 0,8 Grad Celsius gestiegen. Zugleich hat die Zahl der Sommertage mit mehr als 25 Grad und der heißen Tage mit mehr als 30 Grad zugenommen. Auch Starkregen-Ereignisse treten demnach häufiger auf.

Besondere Herausforderungen sieht der Kreis in der hohen Bevölkerungsdichte, stark versiegelten Siedlungsbereichen und den steigenden Anforderungen an die Entwässerung. Gleichzeitig sollen natürliche Lebensräume erhalten und in ihrer Funktion für die Klimaanpassung gestärkt werden.

Von Gesundheit bis Bevölkerungsschutz

Das Konzept bündelt Maßnahmen aus mehreren Handlungsbereichen. Dazu gehören menschliche Gesundheit, Wasser, Stadtentwicklung und Raumplanung, Bevölkerungsschutz sowie natürliche Lebensräume.

Zu den vorgesehenen Maßnahmen zählen unter anderem:

  • die Unterstützung einer klimaangepassten Bauleitplanung,
  • die klimaangepasste Entwicklung kreiseigener Liegenschaften,
  • die Stärkung des Bevölkerungsschutzes,
  • die Verbesserung der Eigenvorsorge der Bevölkerung,
  • eine Hitzeaktionsplanung,
  • eine klimaangepasste Radwegesanierung,
  • Wassermanagement,
  • die Stärkung natürlicher Lebensräume.

Gerade die Punkte Bevölkerungsschutz und Eigenvorsorge betreffen auch Sicherheitsfragen. Der Kreis führt sie ausdrücklich als Teil des Maßnahmenkatalogs auf. Hinzu kommt, dass die Verwaltung nach den Hitzebelastungen der vergangenen Monate zunächst einen Schwerpunkt auf die Hitzevorsorge legen will.

Naturbasierte Lösungen als Schwerpunkt

Im Mittelpunkt stehen nach Angaben des Kreises vor allem naturbasierte Lösungen. Genannt werden grün-blaue Infrastrukturen, also das Zusammenspiel von Grünflächen und Wasser, die Rückhaltung und Versickerung von Niederschlagswasser sowie der Erhalt und die Stärkung von Grün- und Freiflächen.

Erarbeitet wurde das Konzept in einem mehr als eineinhalb Jahre dauernden Prozess, begleitet von drei Fachbüros. Beteiligt waren Fachleute, die Kreispolitik, Fachbereiche der Kreisverwaltung sowie weitere Akteurinnen und Akteure. Gefördert wurde die Konzepterstellung mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

Klimaanalyse bereits im Geoportal verfügbar

Ein erster Baustein ist bereits öffentlich zugänglich: Die im Rahmen des Konzepts erarbeitete Klimaanalyse steht im Geoportal des Kreises Pinneberg zur Verfügung. Sie richtet sich an Ämter, Städte und Gemeinden im Kreis ebenso wie an weitere Interessierte.

Die Stadtklimamodellierung zeigt auf einer räumlich hoch aufgelösten Datengrundlage, wie sich Hitze und Luftbewegungen im Kreisgebiet verteilen. Die Ergebnisse können nach Angaben des Kreises unter anderem für eine klimaangepasste Siedlungs- und Grünflächenentwicklung sowie für die Planung von Maßnahmen zum Hitzeschutz genutzt werden.

Mit Blick auf den Sommer 2027

Bei der Umsetzung will die Kreisverwaltung zunächst die Hitzevorsorge in den Vordergrund stellen. Ziel ist es, den Kreis bereits mit Blick auf den Sommer 2027 besser auf Hitzeperioden vorzubereiten. Vorgesehen sind dafür unter anderem eine Kühle-Orte-Karte und ein Hitzeaktionsplan.

Die Umsetzung des Klimaanpassungskonzepts ist auf zehn Jahre angelegt. Zuständig sind die jeweiligen Fachdienste und Stabsstellen der Kreisverwaltung. Der Fortschritt der Maßnahmen soll jährlich überprüft werden. Zusätzlich ist vorgesehen, alle vier Jahre die Entwicklung des Klimas im Kreis mit den bisherigen Annahmen und Maßnahmen abzugleichen, damit das Konzept bei Bedarf angepasst werden kann.

Klimaanpassungsmanagerin Nancy Kretschmann bezeichnete den Beschluss des Kreistags als wichtigen Meilenstein. Entscheidend sei nun, dass aus dem Konzept konkrete Verbesserungen für die Menschen im Kreis entstünden.

Das Klimaanpassungskonzept des Kreises Pinneberg ist online abrufbar unter https://klimaschutz.kreis-pinneberg.de/Klima+PI/Klimaanpassung.html.

Rückblick

Weitere Hintergründe zur veröffentlichten Klimaanalyse finden sich in unserem früheren Bericht zur neuen Stadtklimaanalyse im Kreis Pinneberg.

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