Kommunales Krisenmanagement im Fokus des KGSt-Forums 2026 in Leipzig
Stadt Wedel und Kreis Pinneberg bringen Erfahrungen zu Besonderer Aufbauorganisation, Stabsdienstordnung und Vorsorge- und Übungsstrukturen in die Fachdiskussion ein
Beim KGSt-Forum 2026 in Leipzig haben die Stadt Wedel und der Kreis Pinneberg ihre Erfahrungen zum kommunalen Krisenmanagement in die bundesweite Fachdiskussion eingebracht. Thema des Panels war „Vor der Krise ist jetzt! – Kommunales Krisenmanagement ganzheitlich gestalten“.
Auf der Bühne standen Wedels Bürgermeisterin Julia Fisauli-Aalto und Robert Schwerin, Fachbereichsleiter Bevölkerungsschutz beim Kreis Pinneberg. Der dreitägige Kongress wurde von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) veranstaltet.
Robert Schwerin stellte aus Sicht des Kreises zentrale Bausteine eines ganzheitlichen Krisenmanagements vor. Dazu gehören eine vorbereitete Besondere Aufbauorganisation, klare Regelungen in einer Stabsdienstordnung sowie dauerhaft verankerte Strukturen, die sich bereits vor einer Krise mit Vorsorge, Ausbildung und Übungen befassen.
Wie wichtig diese Vorbereitung ist, machte Julia Fisauli-Aalto anhand einer konkret erlebten Lage deutlich. Anfang des Jahres trafen in Wedel und im Kreis Pinneberg mehrere Herausforderungen zusammen: Eine außergewöhnliche winterliche Wetterlage belastete bereits die kommunalen Strukturen, als zusätzlich in Wedel eine Fliegerbombe gefunden wurde. Die Vorbereitungen für eine umfangreiche Evakuierung mussten damit unter ohnehin schwierigen Rahmenbedingungen organisiert werden.
Fisauli-Aalto schilderte aus Sicht der unmittelbar betroffenen Kommune, welche Entscheidungen vor Ort getroffen werden mussten, wie Mitarbeitende eingebunden wurden und welche Bedeutung kurze Abstimmungswege sowie frühzeitige Kontakte zu den beteiligten Partnern hatten. Gerade für kleinere und mittlere Verwaltungen zeige sich daran, dass Krisenmanagement im Ernstfall pragmatisch funktionieren und auf Strukturen aufbauen müsse, die zuvor bekannt und eingeübt seien.
Im Praxis-Talk stand deshalb besonders die Zusammenarbeit zwischen Kreis und kreisangehöriger Kommune im Mittelpunkt. Schwerin betonte: „Die Lage in Wedel hat sehr anschaulich gezeigt, dass eine Krise nicht erst mit der Feststellung des Katastrophenfalls beginnt. Jede Lage beginnt zunächst vor Ort und kann Schritt für Schritt aufwachsen. Deshalb müssen Kommunen wissen, wen sie wann einbinden können und welche Unterstützung zur Verfügung steht.“
Ein weiterer Schwerpunkt des Panels war die Frage, wie eine Verwaltung selbst krisenfest wird. Nach Auffassung der Beteiligten gehört dazu nicht nur die klassische Stabsarbeit. Auch alle Führungskräfte müssen wissen, wie Führung und Entscheidungsfindung unter Zeitdruck und bei unvollständigen Informationen funktionieren. Zudem spielt die persönliche Vorsorge eine Rolle, damit Beschäftigte im Ereignisfall dauerhaft für die Verwaltung zur Verfügung stehen können.
Für Julia Fisauli-Aalto liegt ein wesentlicher Schlüssel in der Vorbereitung der eigenen Organisation. Als wichtige Investitionen der vergangenen Jahre benannte sie die Zeit für die Schulung der Mitarbeitenden, die Stärkung des Bewusstseins für Krisenvorsorge und die Entwicklung einer Stabsdienstordnung.
Eine praktische Konsequenz aus der gemeinsamen Erfahrung lautet zudem: Die wichtigsten Ansprechpartner und Telefonnummern müssen jederzeit unmittelbar verfügbar sein. Außerdem sollte der Kontakt zu Partnern im Zweifel lieber früher als später hergestellt werden.
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